Elementar, mein lieber Zuschauer.

Elementar, mein lieber Zuschauer.

Kurzfassung: Heute Abend ist deutsche TV-Premiere der zweiten Staffel Elementary. Aber lohnt sich die Serie wirklich?

Bei der Frage „Wer ist der beste Sherlock-Holmes-Darsteller?“ wird man wohl eine Kakophonie von Rufen hören. Aus der einen Ecke schallt es zwischen Popcorn-Geknister und Cola-Bechern „Robert Downey Jr.!“ heraus. Dieser Ruf wird von der anderen, in „I am SHER-locked“-Shirts gekleideten Seite mit einem beherzten „Benedict Cumberbatch!“ beantwortet. Vielleicht murmelt sogar irgendwo jemand, der zu viel Zeit auf Filmseiten verbringt, ein schüchternes „Ian McKellen…„. Doch dann kommt’s plötzlich: „Jonny Lee Miller!“ – und der Raum wird still. Wer ist Jonny Lee Miller? Wer wagt es, so einen No-Name gegen unsere geliebten Roberts und Benedicts und, ja, auch Ians zu stellen?

© BBC, CBS, Warner Bros. Pictures

Jonny Lee Miller ist nebst Lucy Liu einer der beiden Hauptdarsteller der CBS-Serie Elementary, ein US-amerikanischer Versuch, sich ein Stück vom kalorienreichen Kuchen der Sherlock-Holmes-Adaptionen abzuschneiden. Dabei muss die Serie sich nicht gegen die populären Guy-Ritchie-Filme behaupten, da sich die beiden Werke abgesehen vom Namen der Hauptfigur in kaum einem Aspekt ähneln – rasante Sprüche klopfende Action in historischem Setting gegenüber eher subtilem Krimi-Drama in der Neuzeit. Aber da haben wir auch schon den springenden Punkt: subtiles Krimi-Drama in der Neuzeit, noch dazu mit einem eher ungehobelten, mental hoch begabten Sherlock… das gibt’s doch schon.

Ganz richtig, die Hollywoodfilme mögen eine Sparte für sich sein, doch BBC’s Hitserie Sherlock wirft einen weiten Schatten über unser Liu-Miller-Duo. Die britische Serie, mit Benedict Cumberbatch und Martin “Bilbo” Freeman in den Hauptrollen, hat sich bereits 2 Jahre vor der Premiere von Elementary, nämlich im Jahre 2011, auf die deutschen Fernsehbildschirme getraut – und das mit unglaublichem Erfolg. Im Angesicht dessen mag der erste Blick in die amerikanische Adaption einen sauren Beigeschmack tragen… Man kommt einfach nicht umhin, die Vergleiche zu ziehen zwischen BBC’s Sherlock und CBS’s Elementary.

Doch wie gehen diese Vergleiche aus? Nun, es kommt ganz drauf an, wonach man auf der Suche ist. Cumberbatchs Holmes trägt definitiv die Krone, was das misanthropische, verworrene Genie angeht, der scheinbar aus schierer Langeweile Verbrechen auflöst. Miller scheint sich ebenfalls in dieses Konzept quetschen zu wollen, jedoch eher wie ein Kindergartenkind, das die viereckige Form in die dreieckige Schablone hämmern will. Dabei wird er allerdings nicht zur Kopie von Cumber-Holmes, sondern weicht den Charakter anscheinend etwas auf. Millers Sherlock ist… menschlicher, fehlbarer, zieht sich schlampiger an, und hat die Nikotinpflaster gegen die volle Portion Reha eingetauscht. Das Problem dabei: Er versucht trotzdem noch, den fast übermenschlich genialen Beobachter zu spielen, der mit einem Blick quasi die Matrix entschlüsseln könnte. Aber es mag nicht so recht passen. Millers Anstrengungen in allen Ehren, das Ergebnis wirkt leider wie ein unsicherer Nachahmungsversuch, der hektisch nach einem Strohhalm zu greifen versucht, um sich auf sein eigenes Level heben zu können.

© CBS, BBC

Elementary ist also nicht sehenswert, ja? Falsch.

Obgleich man um die Vergleiche mit Sherlock nicht herum kommt (Vergleiche, die eher zu Gunsten der Briten ausfallen), ist Elementary dennoch durchaus seine Zeit wert. Die Charaktere sind trotzdem interessant, die Fälle mit einigen Ausnahmen spannend, die Unterschiede zur Literaturvorlage clever gewählt. Der Trick, ein paar der traditionell männlichen Rollen mit Frauen zu besetzen, ist auch putzig, wirkt aber mehr wie ein PR-Stunt als dass es tatsächliche Relevanz für die Handlung trägt. Der größte Vorteil, den Elementary aber gegenüber der BBC-Serie hat: Elementary hat Umfang. Eine 24-teilige Staffel von 45-minütigen Episoden ist schon fertig, und in den USA lief auch schon das zweite 24er-Kontingent über die Bildschirme. Das sind mehr als 2.000 Minuten Spielzeit, verglichen mit den rund 800 Minuten der insgesamt 9-teiligen Sherlock-Reihe. 1.200 Minuten mehr, die man für Charakterentwicklung, für Witze, für Spannung und Drama nutzen kann. Obwohl BBC’s Sherlock also insgesamt eine bessere Figur macht, mag es für viele einfach zu anstrengend sein, häufig mehr als anderthalb Jahre auf die nächsten mickrigen 3 Folgen zu warten. Da bietet Elementary eine gute, regelmäßige Alternative, wenn auch etwas verdünnt.

Oh, und was die 2. Staffel angeht: heute um 20.15 Uhr zeigt Kabel Eins die erste Folge der 2. Staffel Elementary zum ersten Mal im deutschen Fernsehen! Um 21.15 Uhr folgt direkt die Zweite. Wer nach Robert Downey Jr. und Benedict Cumberbatch noch immer nach einem Sherlock-Fix sucht, der kann hier definitiv reinschauen. Die Messlatte sollte nur nicht zu hoch angebracht sein – das britische Original ist nur schwer zu schlagen.

Wer die erste Staffel erst noch aufholen muss, siehe hier:
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