Bücher von Nerds für Nerds – Interview mit Andrea Bottlinger & Christian Humberg

img

Sekundärliteratur – kaum ein Wort schafft es, mich stärker zum Gähnen zu bringen, als dieses… zumindest, wenn wir von Phantastik reden. Doch Andrea Bottlinger und Christian Humberg machen die „Sparte“ richtig interessant. Im Jahre 2012 veröffentlichten sie mit „Sorge dich nicht, beame!“ den ersten (mir bekannten) Lebenshilfe-Ratgeber für Nerds und Geeks und erklärten uns, was wir von den Charakteren aus Star Wars und Star Trek lernen für unser „reales Lebens“ lernen können. Zwei Jahre später folgte mit GEEK PRAY LOVE „ein praktischer Leitfaden für das Leben, das Fandom und den ganzen Rest“, eingehüllt in einen kongenialen Roman. Nun folgt Teil 3 der Trilogie: „In 80 Welten durch den Tag“ ist ein Reiseführer für Geeks und die, die es werden wollen. Dabei merkt man den beiden die Liebe zur Materie an und fühlt sich wie unter gleichgesinnten; sozusagen eine literarische Con. CaptainPhil durfte mit den beiden sprechen und hat ihnen seine 10 besten/blödesten Fragen gestellt:

Normalerweise ignoriere ich Vorworte in Büchern immer. Ich will ja die Story lesen und mich nicht ewig damit aufhalten, wie der tolle Autor dank seiner tollen Freunde und Verlagspartner auf so tolle Ideen gekommen ist. Seit den ersten beiden Büchern von euch sehe ich das aber anders. Ein Vorwort von euch zu lesen ist wie Freunde zu beobachten.

In 80 Welten durch den Tag - Cover: CrossCult
In 80 Welten durch den Tag – Cover: CrossCult

Wieviel Wahrheit steckt eigentlich in euren Vorwortgeschichten? Seid ihr Remagen tatsächlich dankbar für euer letztes Buch?

AB: Wir saßen tatsächlich im Zug, als wir „In 80 Welten durch den Tag“ zum ersten Mal angedacht haben. Aber ich kann mich ehrlich gesagt nicht mehr erinnern, wo der überall durchgefahren ist. Außerdem war Thomas nicht dabei. Thomas gibt es nämlich leider nicht. Er ist so was wie unser imaginärer Freund. Ich hoffe, er wird nicht irgendwann böse und fängt an Leute umzubringen 😉 Das scheint ein Problem mit imaginären Freunden zu sein.

CH: Thomas vertritt in unseren Büchern immer die Außenperspektive. Er ist der Nicht-Geek, der Ungläubige. Daher auch der Name. Der Zug hielt übrigens tatsächlich in Remagen. Was uns ziemlich überraschte.

Andrea, ich habe gesehen, du hast an der Übersetzung von DOCTOR WHO: SHADA mitgearbeitet und ich muss sagen, dass ist euch (dir und Claudia Kern) gut gelungen. Es ist der erste deutsche Who-Roman, bei dem ich nicht mit der Stirn an die Regionalexpress-Scheibe geknallt bin, weil ich mich über die fantastischsten Übersetzungen geärgert habe. War es für dich bedeutend, an so einem wichtigen Werk (zumindest für Whovians) mitzuarbeiten? UND: Hast du dich vorher mit dem alten Filmmaterial auseinander gesetzt?

AB: Ich habe nicht an der Übersetzung mitgearbeitet, sondern den Roman „nur“ lektoriert. Den Großteil der Arbeit hat also Claudia Kern erledigt, und das sehr gut, wie ich sagen muss. Das Lob gebührt also ihr.
Für mich war es vor allem bedeutend, an etwas zu arbeiten, das zumindest zum Teil von Douglas Adams ist. Von dem war ich ein Fan, lange bevor ich überhaupt von der Existenz von Dr. Who wusste.

Sorge dich nicht, beame! Cover: CrossCult
Sorge dich nicht, beame! Cover: CrossCult

Diese Frage richte ich zwar wieder an Andrea, freue mich aber, wenn ihr beide etwas dazu sagen könntet. Auf deinem Blog nennst du „In 80 Welten durch den Tag“ den „dritte[n] Teil der legendären Geek-Trilogie“. War euer Schaffen hier schon immer als Trilogie konzipiert und wird es dabei bleiben? Oder dürfen wir in unsere kühnsten Träumen auf dem Holodeck von einem vierten Buch träumen?

AB: Als wir „Sorge dich nicht, beame!“ geschrieben haben, wusste wir nicht, dass wir überhaupt weitere Bücher in der Richtung schreiben würden. Ich dachte damals auch ehrlich gesagt, wir würden uns einfach freuen, etwas so Beklopptes geschrieben haben zu dürfen, und das war’s dann. Dass wir jetzt eine Trilogie haben, ist ziemlich cool, hat sich aber einfach so ergeben. Vorerst sind aber keine weiteren Teile geplant.

CH: Vorerst.

Mit Geek Pray Love habt ihr beide einen Roman inklusive Realitätsberichten gebracht. „Sorge dich nicht – beame“ war ein Buch aus der Ecke, die ich sonst im Buchladen ignoriere und belächle: ein Ratgeber. Mit eurem neuen Werk betretet ihr die Welt der Reiseführer. Gibt es eigentlich etwas, was ihr nicht könnt und WENN wir auf ein 4. Buch hoffen dürfen, was wird es diesmal? Ein Kochbuch? Ein Atlas? Eine Bedienungsanleitung für Astromech Droiden?

CH: Ich kann sogar erschreckend vieles nicht. Absurderweise lässt man mich manches davon trotzdem machen. Und gibt mir sogar Geld dafür.

AB: Also, bei dem Kochbuch hätte ich bedenken. Ich kann nicht kochen 😉

Bei geek-fidelity.de sind wir derzeit zu dritt und irgendwie hat jeder sein eigenes kleines Universum, das er bearbeitet. Juniper ist unterwegs in den Welten der Independent-Medien und stellt die Werke vor, die nicht überall Beachtung finden. #TheImpossibleGeekGirl ist ganz gerne in der Welt der Filme unterwegs und scheint es zu genießen, sich ihre eigene Meinung über solche Werke zu nilden. Ich, der Captain, bin der Comic-Nerd, der sich aber sonst gerne breit aufstellt und Fragen wie „DC oder Marvel?“ oder „Trek oder Wars“ nicht mehr hören kann. Wo liegen eure stärksten Fandom-Affinitäten? Seid ihr in den gleichen Universen unterwegs oder ergänzt ihr euch da?

Geek Pray Love Cover: CrossCult
Geek Pray Love Cover: CrossCult

AB: Wir ergänzen uns. Ich habe mein Fan-Dasein mit Büchern begonnen und lange praktisch keine Serien oder Filme geschaut, bis mein Vater mich irgendwann zuerst mit Star Wars und dann mit Star Trek bekannt gemacht hat. Christian dagegen scheint vor einem Fernseher aufgewachsen zu sein 😉

CH: Als passioniertes Allergie-und-Stubenhocker-Kind habe ich mich schon früh zwischen Fernsehgerät und Bücherregal geparkt. Da sitze ich im Prinzip heute noch. Ist schön da.
Mein liebstes Serienfranchise war und ist STAR TREK. Gene Roddenberrys philosophischer Ansatz hat mich schon als Kind angesprochen und nie mehr losgelassen.

Ich habe festgestellt, dass ich seit dem (relativ späten) Beginn meines Nerdlebens immer runder geworden bin und habe deshalb die Initiativen #PressStart und #BecomingFlash gestartet, bei dem ich Sport (und vor allem Laufen) für Nerds vorstelle, damit auch wir Spaß an Bewegung bekommen. Bekommt ihr als Nerds und Geeks eigentlich Tageslicht und frische Luft oder hockt ihr im Keller und lebt von Coke Zero und Chips?

AB: Ich habe eine Weile den einzigen anerkannten Geek-Sport gemacht: LARP 😉 Die meisten anderen Sportarten finde ich leider entweder langweilig oder zu wettbewerbsorientiert. Aber vor Kurzem habe ich mit Ving Tsun angefangen, und das ist bisher sehr spannend und sorgt dafür, dass ich gerade alle Kampfszenen in meinem aktuellen Roman umarbeite, um sie realistischer zu gestalten.
Tageslicht finde ich auch großartig und Coke Zero eher eklig 😉

CH: Als Geek bekomme ich jede Menge Tageslicht zu sehen. Als Autor schaffe ich es werktags aber kaum mal aus dem Büro, bevor die Sonne untergegangen ist. Immer dieses elende Berufsleben …

Als Kind wollte ich immer Zeichentrick-Comic-Serien gucken und durfte meist nicht. Batman und Spiderman kamen also recht spät in mein Leben und die erste ECHTE Leidenschaft habe ich für die Ultimativen des Marvel-Universums entwickelt. Wie war es bei euch? Was war eure Initialzündung der Geek-Kanone? Wann seid ihr die geworden, die ihr heute seid?

AB: Mein Vater ist schuld! Er hat meiner Schwester und mir erst den Hobbit und dann den Herrn der Ringe vorgelesen (unter Auslassung der langweiligen Stellen 😉 ). Danach habe ich Terry Pratchett und Douglas Adams in seinem Bücherregal entdeckt, und dann war es um mich geschehen.

CH: STAR TREK auf der Mattscheibe, Wolfgang Hohlbein und Hal Foster auf dem Nachttisch. So fing das an, glaube ich. Und dann uferte es sehr, sehr schnell aus … 🙂

Ich glaube, wenn ich irgendwann mal einen Doctor Who Darsteller, Benedict Cumberbatch (Sherlock) oder Robert Downey Jr (Tony Stark) treffe, dann falle ich zitternd um und grinse nur noch debil. Gibt es jemanden, den ihr dermaßen vergöttert, bei dem es euch ähnlich ginge oder habt ihr eine Erfahrung eines solchen Treffens, die ihr gerne mit uns teilen wollt?

AB: Ich würde gerne mal Neil Gaiman treffen. Dabei würde ich wahrscheinlich mein komplett englisches Vokabular vergessen …

CH: Über das Fanstadium des Personenkults bin ich hinaus, glaube ich. Trotzdem hat mich Leonard Nimoys Tod kürzlich echt schlucken lassen. Es gibt Personen in unserer Szene, die echte Größen sind, und wenn die abtreten, lässt einen das nicht kalt. Und was Treffen angeht: Die Geschichte, wie ich einmal mit Michael Ende im japanischen Fernsehen war, kommt auf Partys immer gut an.

Fast zum Schluss noch eine kleine Entscheidungsfrage, bevor die Fragen richtig doof werden. Wenn ihr euch etwas aussuchen könntet, was würdet ihr nehmen und warum? Lichtschwert, Zauberstab, Schallschraubenzieher?

AB: Fallen die nicht alle irgendwie in die Kategorie Zauberstab?

CH: Ich wähle den Schallschraubenzieher. Den fände ich am coolsten von den dreien – nicht martialisch und doch sehr ungenau definiert.

Und nun noch die beiden doofen letzten Fragen. Jeweils an euch beide: DC oder Marvel? 😛 UND: StartTrek oder StarWars?

AB: Ts, sich erst selbst über die Frage aufregen und sie dann stellen. Das haben wir gerne 😉 Aber wenn es sein muss: Marvel und Star Wars.

CH: Als großer Freund des Marvel Cinematic Universe kann ich das sehr leicht beantworten. Marvel und Star Trek.

In den nächsten Tagen folgen dann auch meine Rezensionen zu den 3 Büchern der beiden. Freut euch drauf! ACH JA: Andreas Blog haben wir ja oben schon erwähnt. Einen Besuch wer ist auch ihre Website Traumsphären und der Blog von Christian Humberg.

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.